Naturverträgliche Sanierung der Traverse

Die Traverse an Bastion Germanicus im Oktober 2017. © J. Brandt

Kurz informiert

So manchem Spaziergänger ist es schon aufgefallen: Ein Mauerabschnitt der Zitadelle oberhalb des römischen Theaters ist eingerüstet und es wird fleißig gewerkelt. Doch was passiert hier genau? Vor zwei Wochen hat die naturverträgliche Sanierung an der Traverse vor Bastion Germanicus begonnen. Naturverträgliche Sanierung eines Denkmals bedeutet, dass dies nicht einfach so an schadhaften Stellen wieder zusammen geflickt werden darf – getreu dem Motto „Hauptsache es hält“. Bei den Bauarbeiten ist bei Bedarf sowohl eine biologische, als auch eine denkmalpflegerische Baubegleitung vor Ort anwesend, mit der die weiteren Schritte abgesprochen werden. So wird gewährleistet, dass Vorgaben des Naturschutzes und des Denkmalschutzes beachtet und umgesetzt werden. Um diese Vorgaben jedoch zu ermitteln wurden zuvor Gutachten erstellt, in denen die wichtigsten Befunde festgehalten und erläutert wurden.

Anhand dieser Vorgehensweise können wir sicherstellen, dass die Bausubstanz der Traverse erfolgreich wiederhergestellt wird und während der Maßnahmen keine Gefahr für die schützenswerte Natur rings um das Denkmal ausgeht.

Die Traverse kurz vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen im September 2017. © J. Brandt

Alles alte Steine – was soll man denn da schützen?!

Je älter der Stein, desto mehr Informationen kann er für uns heute übermitteln. Auf eine ganze Mauer gesehen kann das schon eine interessante Geschichte werden. Die Herausforderung dabei liegt wie so oft mal wieder im Detail. Bereits kleine Putzreste auf dem Stein erlauben dem erfahrenen Bauforscher Rückschlüsse darauf, ob vielleicht mal ein Gebäude an die zu untersuchende Mauer anschloss. Die Oberflächenbearbeitung eines Steines kann uns bei der Datierung behilflich sein, da Steinmetze im Verlauf der Jahrhunderte zur Bearbeitung verschiedene Werkzeuge verwendet haben. Um einen besonders großen bearbeiteten Stein anzuheben und im Mauerwerk zu verbauen gab es ebenfalls verschiedene Hilfsmittel, die entsprechende Spuren wie beispielsweise Löcher im Stein hinterlassen haben. Hierbei ist nicht jedes Loch einfach nur ein Loch. Lage und Form geben uns Hinweise auf die verwendeten Hilfsmittel, die sich wiederum datieren lassen. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Datierung der Mauer ziehen. Auch ist nicht jeder Stein aus natürlich gewachsenem Material. Während die Verwendung von gebrannten Ziegeln bereits seit dem alten Babylon überliefert ist, hat sich die Technik dafür im Zuge der Industrialisierung verändert. Ein solcher Ziegel ist ein Indiz dafür, dass ein Mauerwerk eher jüngeren Datums ist oder vielleicht an einzelnen Stellen ergänzt oder repariert wurde. Dies trifft besonders auf Kriegsschäden zu. Auch die Art und Weise wie ein Mauerwerk errichtet wurde und welcher Mörtel dabei zur Verwendung kam sind wichtige Hinweise für den Bauforscher, die Rückschlüsse auf die Datierung oder Umbaumaßnahmen erlauben.

Anhand dieser wenigen Beispiele wird bereits deutlich, dass es durchaus etwas Zeit beanspruchen kann wenige Meter eines alten Mauerwerkes zu untersuchen.  Die Zitadelle bietet uns dabei viele interessante Einblicke in ihre Baugeschichte. Bei einer Sanierungsmaßnahme können solche Details schnell unwiederbringlich verloren gehen. Die Durchführung umfassender Untersuchungen vor Beginn der Maßnahmen ist daher besonders wichtig. In einem entsprechenden Gutachten wird dann festgehalten welche Abschnitte des Mauerwerks mit besonderer Vorsicht behandelt werden sollten oder welche Stellen man besser gar nicht anrühren darf. Mitunter werden auch Befunde freigelegt mit denen man vielleicht gar nicht gerechnet hat. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten können dann nach Ende der Instandsetzungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit aufbereitet und präsentiert werden. Doch bis dahin wird noch ein wenig Zeit ins Lande gehen…

Scheppes Kraut – das wächst doch alles nach?!

Ein der Witterung ausgesetztes Mauerwerk wird in der Regel schnell von Mikroorganismen besiedelt. Während der fleißige Hobbygärtner auf dem privaten Gehweg gerne aus ästhetischen Gründen Gegenmaßnahmen ergreift, konnte sich die Flora auf dem Mauerwerk der Traverse in den letzten Jahrzehnten gemäß ihren eigenen Gesetzen frei entwickeln. Heute findet sich daher auf den Steinen ein artenreicher Flickenteppich an Moosen, Flechten und anderen Pflanzen. Unter den zahlreichen Arten befinden sich auch einige schützenswerte, die sich auf der Roten Liste befinden und vielleicht vom Aussterben bedroht sind.

Nun ist die Zitadelle durch ihre Nähe zur Stadt einer höheren Schadstoffbelastung ausgesetzt als ein Mauerwerk auf dem Land. Wir wissen aber, dass sich trotz der schwierigen Verhältnisse auch auf dem Mauerwerk der Zitadelle ein paar seltene Arten angesiedelt haben. Wenn nun zur Instandsetzung des Mauerwerkes Steine abgenommen und neu aufgemauert werden müssen, geht auch zwangsweise ein Teil der angesiedelten Biologie verloren. Ebenso wie der Bauforscher vor Ort wichtige Befunde identifiziert brauchen wir auch für die Natur einen Biologen vor Ort, der sensible Bereiche erkennt und die Dringlichkeit der Erhaltung vermittelt. So können gefährdete Arten als solche identifiziert und sensible Bereiche während der Dauer der Sanierungsmaßnahmen entsprechend geschützt werden.

Schließlich ist der Erhalt von Moosen und Flechten auch für den historischen Stein durchaus von Vorteil. Nähere Informationen dazu werden bald in einem neuen Beitrag erläutert…

Naturverträgliche Sanierung startet…

Manuel Wenda berichtet am 28.6.2017 in der Allgemeinen Zeitung über den Start der naturverträglichen Sanierung der Zitadellenmauern. An einer Probefläche an Bastion Germanicus wurden einzelne Abschnitte angelegt um verschiedene Verfahren auszutesten. Dabei wird geprüft, bei welcher Probefläche sich die Belange von Denkmal- und Naturschutz am besten vereinbaren lassen.

Die gesamte Sanierung des historischen Mauerwerks, für die 15 Millionen € zur Verfügung stehen, wird derzeit auf 10 Jahre kalkuliert. Pro Jahr werden dafür 1,5 Millionen € der Gesamtsumme freigestellt.

Weitere Informationen auf der Homepage der Allgemeinen Zeitung: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/mainzer-dezernentinnen-stellen-naturvertraegliche-sanierung-der-zitadellen-mauern-vor_17996843.htm

Sanierung und Rekonstruktion Kaisertor

Der Werksausschuss hat am 2. Mai die Sanierung und Rekonstruktion des rechten Torflügels des ehemaligen Kaisertores zur Kenntnis genommen. Nähere Informationen über die Homepage der Stadt Mainz: https://bi.mainz.de/vo0050.php?__kvonr=19465

Kaisertor, Südhälfte im Mai 2017. © J. Brandt
Kaisertor, Südhälfte, Probeschürfung zur Ermittlung der Lage der Fundamente für die geplante Rekonstruktion. © J. Brandt

 

Neues Sanierungskonzept

Michael Bermeitlinger schreibt heute in einem Artikel der Allgemeinen Zeitung über das neue Sanierungskonzept, das im Stadtrat vorgestellt wurde.

Er berichtet über das von Professor Dr. Rainer Drewello präsentierte Gesamtgutachten und beschreibt auch die Forschungsergebnisse, die ich im Rahmen meiner Masterarbeit erzielt habe. Unter anderem zählt hierzu die Erkenntnis, dass die französischen Besatzer im Zitadellengraben Automobilhallen errichtet haben, die Mitte der 1920er Jahre demoliert werden sollten. Dies ließ sich aus Plänen und Briefen schließen, die im Mainzer Stadtarchiv zu finden sind. Die Fundamente dieser Automobilhallen wurden in Escarpe und Contrescarpe eingelassen und sind die Ursache für heutzutage noch zu beobachtende Folgeschäden.

Unter anderem geht Bermeitlinger in seinem Artikel auf die geplante Änderung der Wegführung um die Zitadelle und durch den Zitadellengraben ein, sowie die geplante Fällung von 128 Gehölzen.

Nach Möglichkeit sollte für die Durchführung der Sanierungsarbeiten eine Art Bauhütte eingerichtet werden, so wie dies Beispielsweise am Dom praktiziert wird. Ab April beginnen die weiteren Planungen.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/zitadelle-mainz-jetzt-haengt-es-am-geld_17686854.htm

 

AZ – Baumfällung auf der Zitadelle

Ein neuer Artikel von Lisa Maucher in der Allgemeinen Zeitung widmet sich einer bevorstehenden Baumfällung auf der Zitadelle. Darin berichtet sie, dass 129 Bäume gefällt werden müssen, die das historische Mauerwerk der Contrescarpe und der Escarpe unmittelbar gefährden. Der Eingriff in die Natur wird durch Ersatzpflanzungen in den nächsten beiden Pflanzperioden ausgeglichen.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/zitadelle-mainz-129-baeume-muessen-aus-sicherheitsgruenden-weichen_17673514.htm