Was tut sich denn da beim Schorsch?

Wer in letzter Zeit beim Schorsch war um sein wohlverdientes Mittagessen einzunehmen, der mag sich über die benachbarte Baustelle gewundert haben. In der auf den ersten Blick unscheinbaren Baugrube steht meterhohes, präzise bearbeitetes Quadermauerwerk. Es sieht historisch aus und tatsächlich gehören diese Mauern zu einem Bauabschnitt der Festungsgeschichte. Landesarchäologin Dr. Marion Witteyer erläutert in ihrer Stellungnahme die heute in der AZ erschienen ist, dass es sich hier unter anderem um eine historische Kaimauer handelt, das Areal darüber hinaus zum Cavalier Pritzelwitz gehörte. Dies wurde im Zuge der Bauarbeiten des Rheingauwalls (1872-1879) errichtet. Weitere Informationen zum aktuellen Bauvorhaben am Zollhafen hat Bernd Funke im AZ Beitrag „Zeugnisse der Mainzer Festung entdeckt“ vom 28.8.2020 zusammen gefasst.

Vermessung Fort Karl

Foto mit freundlicher Genehmigung von T. Bernhard

Die ersten bunten Blätter rascheln auf den Gehwegen. Gewiss auch weil das Jahr so trocken und unsere Natur so furchtbar durstig ist. Gleichzeitig kündigt der Spätsommer hierdurch bereits leise den Herbst an. Das bedeutet für die unterirdische Festungswelt, dass bald wieder Fledermäuse ihre Winterquartiere beziehen wollen und dies die letzte Gelegenheit für mich ist, dort hinabzuklettern ohne die possierlichen Flatterflügel zu stören. Für die Fledermäuse bedeutet eine Störung ihres Winterschlafes womöglich das Lebensende, weshalb ihre Winterquartiere etwa zwischen Oktober und Ostern nicht betreten werden dürfen.

Daher nutze ich nun die letzten schönen Sommertage um Gangsysteme zu erkunden und zu kartieren, die mir bisher noch unbekannt waren. Zu ihnen gehört das Fort Karl, sowie angrenzende Unterwelten. Sie sind bisher noch nicht touristisch erschlossen und teilweise verschüttet oder schwer zugänglich. Die Stadt hält die Gänge soweit instand, dass sie betretbar bleiben, nicht weiter verfallen und gleichzeitig den Fledermäusen ein wichtiges und unentbehrliches Winterquartier im Herzen der Altstadt bieten. Diese Gänge sind das wohl größte noch zusammenhängende System der Mainzer Unterwelt. Bis ich es komplett kartiert habe steht mir noch einiges an Arbeit bevor.